Pressekonferenz der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Berlin

Дата публикации: 1 февраля 2016 в 19:47
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Konferenz der Deutschen aus Russland foto

Der Verband distanziert sich von den bundesweiten Kundgebungen

„Deutsche aus Russland – auffällig unauffällig?“ war das Thema, zu dem die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland am 04.02.16 in Berlin zu einem Pressegespräch geladen hat. Hintergrund war das Bedürfnis um öffentliche Aufklärung und Stellungnahme der Landsmannschaft zu den aktuellen bundesweiten Protesten, die von der russischsprachigen Bevölkerung ausgegangen sind. In dem einstündigen Gespräch haben die Mitglieder des Bundesvorstands der Landsmannschaft, Waldemar Eisenbraun, Ernst Strohmaier und Walter Gauks, sich zu Fragen von Vertretern deutscher und russischer Medien geäußert. Anwesend waren unter anderem das Focus Magazin, Funkhaus Europa, RBB, und RIA Novosti. Klärungsbedarf gab es im Einzelnen auch hinsichtlich der Möglichkeiten zur Stärkung der Verbandsarbeit hin zu mehr Attraktivität, vor allem für die Jugend. Vor dem Hintergrund der vermehrten Demonstrationen wurde auch der Erfolg der Integrationsgeschichte von Deutschen aus Russland diskutiert.

Dem Bundesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun war es wichtig in seiner Eröffnungsrede deutlich zu machen, dass die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland die Kundgebungen in den vergangenen Wochen weder organisierte noch zur Teilnahme daran aufrief. Die Verantwortung für den Verlauf und die Inhalte liegt allein bei den Veranstaltern, mit denen die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in keinerlei Form zusammenarbeitet. Die Landsmannschaft distanziert sich ausdrücklich von den Organisatoren der Demonstrationen.

Der stellvertretende Vorsitzende, Ernst Strohmaier, bedauerte zudem, dass der Fall des 13-jährigen Mädchens Lisa dazu genutzt wurde, chauvinistisches Gedankengut in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Anstifter seien bekannt, bereits in der Vergangenheit habe man sich entschieden von ihnen distanziert. Ihre Art, mit den Nöten und Ängsten der Öffentlichkeit zu spielen, verurteilte Herr Eisenbraun im Namen der Landsmannschaft aufs Schärfste.

Die Politisierung des Falls Lisa habe außerdem gezeigt, dass es von russischer Seite aus Bemühungen gab, die öffentliche Meinung in Deutschland medial und politisch zu beeinflussen. Die Aufklärung des Falls hat deutlich gemacht, wie voreilig und unbegründet sich die Intervention in diesem Fall darstellte.

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland versteht sich seit ihrer Gründung im Jahr 1950 als Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturverein aller Deutschen aus Russland in der ganzen Welt. Sie setzt sich für eine gelebte Integrationspolitik in Deutschland ein und ist der größte Verband der Deutschen aus Russland mit direkten politischen Ansprechpartnern. Der Vorstand hat ebenfalls ganz deutlich unterstrichen, dass die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland dabei absolut autonom handelt.

Einige der politisch sonst so unauffälligen Deutschen aus Russland haben sich über die letzten Wochen Protesten angeschlossen. Die Befürchtung kam auf, Russlanddeutsche drifteten nach rechts ab. Vertreter der Jugend-LmDR, Walter Gauks, warnte vor Verallgemeinerungen bezüglich der hier lebenden Deutschen aus Russland und machte deutlich, dass die aktuelle Situation eine differenzierte Berichterstattung seitens der Medienvertreter erfordere. Wie in jeder Gesellschaft, gibt es auch innerhalb der Deutschen aus Russland unterschiedliche politische Haltungen. Wenige Extreme haben eine Öffentlichkeitsresonanz gewonnen, die nicht repräsentativ ist. Herr Eisenbraun betonte, dass bis auf wenige Ausnahmen die Deutschen aus Russland weder radikal, noch medial fremdgesteuert seien.

Herr Strohmaier machte deutlich, dass die berufliche und sprachliche Integration der Mehrheit der rund vier Millionen Deutschen aus Russland vor allem eine Erfolgsgeschichte sei. Die Integrationsbemühungen konzentrierten sich aber bisher vielmehr auf wirtschaftliche Integration und ein symbolisches „Ankommen“. Ein Deutscher aus Russland wird heute deshalb eher im Baumarkt als im Parlamentsaal anzutreffen sein, sagte Herr Eisenbraun. Die in Sowjetzeiten antrainierte politische Apathie wirke zudem oft auch in Deutschland nach. Die aktuellen Ereignisse machen zudem deutlich: Es gibt Nachholbedarf in der politischen Integration. Diese Form der Integration wurde bisher vernachlässigt. Walter Gauks möchte deshalb sein Augenmerk auf die Präventionsarbeit legen und damit die bereits umfangreiche Arbeit des Jugendverbands stärken. Je mehr für Bildung und Integration getan werde, desto geringer sei die Gefahr der Anfälligkeit für rechtes Gedankengut.

Zum heutigen Zeitpunkt erreicht die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland durch ihre bundesweite Arbeit in den ca. 130 Landes- und Kreisgruppen sehr viele Deutsche aus Russland. Diese Arbeit wird zum größten Teil ehrenamtlich geleistet. Herr Strohmaier merkte an, dass die Finanzierung der Koordinationsarbeit überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder auf Projektbasis bestritten werde. Institutionelle Förderung erhalte man nur vom Land Baden-Württemberg in Form eines symbolischen Betrags für die Erhaltung des Hauses der Deutschen aus Russland. Um weiterhin effektiv und wirksam sein zu können und seine politische Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit fortzusetzen, hat der Verband dringenden Bedarf an Unterstützung und Ressourcen. Aus diesem Grund wurde um Vertrauen, Rückhalt und Unterstützung seitens der Mitglieder und aller Interessierten bei den aktuellen Aufgaben und Herausforderungen geworben.

Olga Schmidt

Foto: Mitglieder des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland beim Pressegespräch in Berlin. Von links: Ernst Strohmaier, der stellvertretende Bundesvorsitzende; Waldemar Eisenbraun, der Bundesvorsitzende; Walter Gauks, der Bundesvorsitzende der Jugendorganisation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.

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