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Telefónica will bis 2026 holografische Telefone auf den Markt bringen

Ein Star-Trek-ähnliches Szenario bleibt vorerst Science-Fiction, doch der Mobilfunkanbieter O2 hofft, in einigen Jahren einen Schritt in diese Richtung zu machen.

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O2-Innovationsmanager Karsten Erlebach spricht mit seinen Kollegen über eine VR-Brille, in der er Hologramme seiner Kollegen anschaulich sieht. Foto.aussiedlerbote.de

Telekommunikation - Telefónica will bis 2026 holografische Telefone auf den Markt bringen

Nach Plänen des Mobilfunkanbieters Telefónica (O2) sollen im Jahr 2026 holografische Telefone auf den Markt kommen, bei denen der Gesprächspartner als 3D-Bild zu sehen ist.

„Das Produkt soll in zwei bis drei Jahren marktreif sein“, sagte Mallik Rao, Technologiechef von Telefónica in Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur München. „Sie werden die Technologie dann in Ihre eigenen Systeme integrieren und umfassend testen.“ prüfen. „Wir wollen bei Unternehmenskunden beginnen und es in einem zweiten Schritt auch für den Massenmarkt verfügbar machen.“

O2 testet derzeit die holografische Technologie mit Virtual-Reality-Brillen (VR) auf seinem Campus in München und feiert dort am Montag das 25-jährige Jubiläum seines Netzwerks. Das Projekt startete 1998 in Deutschland unter dem Firmennamen Viag Interkom. Als Gast wird der bayerische Kanzler Markus Söder (CSU) erwartet, der einen Hologramm-Anruf tätigen wird.

Die Industrie setzt Maßstäbe

Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 sowie das französische Unternehmen Orange und das japanische Tech-Startup Matsuko betreiben seit letztem Jahr ein Projekt, um Standards für die Konnektivität zwischen Netzen zu definieren. Dadurch kann die holografische Technologie nicht nur innerhalb eines Netzwerks, sondern netzwerkübergreifend implementiert werden, beispielsweise von O2-Kunden bis hin zu Vodafone-Kunden.

Mobilfunkbetreiber arbeiten separat daran, holografische Technologie in ihren Netzen zu ermöglichen. O2-Innovationsmanager Karsten Erlebach sagte, wir machen gute Fortschritte. „Wir veranstalten testweise die erste Holografie-Konferenz, aber die Technologie muss noch weiterentwickelt werden.“ Wichtig für die Holografie ist der Funkstandard 5G, der aber auch mit Glasfaser-Festnetzen möglich sein wird.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Ein Vodafone-Sprecher sagte, man teste mit Matsuko die Alltagstauglichkeit holografischer Telefongespräche: „Wir haben kürzlich mit anderen Partnern die ersten interkontinentalen holografischen Telefongespräche unter Live-Bedingungen zwischen Teilnehmern in Großbritannien, Kanada und den USA durchgeführt.“ Ein Sprecher von Telecoms sagte, dass man die Technologie erforsche und teste. „Aber es ist noch ein langer Weg, bis die holografische Technologie auf den Markt kommt.“

Verschiedene Arten der Holographie

Es gibt verschiedene holografische Versionen. In der fortschrittlichsten Variante setzt der Anrufer eine Virtual-Reality-Brille auf und sieht ein 3D-Bild des Angerufenen, der auf ein Smartphone oder Tablet schaut. Die Kamera hat ihn aufgezeichnet. Aus diesen Aufnahmen entwickelt die Matsuko-Software 3D-Bilder, die in der VR-Brille des Anrufers angezeigt werden. Allerdings kann der Angerufene das 3D-Bild des Gesprächspartners nicht sehen. Möglicherweise tragen beide Anrufer eine VR-Brille und haben 3D-Bilder vor sich. Beide Bilder sind dann durch eine VR-Brille zu sehen, ihre Augen sind also abgedeckt.

Eine andere Art von Holographie wird in Gruppengesprächen oder Besprechungen verwendet. Menschen schauen ohne Brille auf ein Tablet oder Smartphone und sehen die Gesprächsteilnehmer auf dem Bildschirm, als säßen die Bilder direkt vor ihnen – im selben Raum auf der anderen Seite des Tisches. Dies sollte dreidimensional sein, aber das Fehlen einer VR-Brille dürfte den Effekt eingeschränkt haben.

Laut Erlebach erfordert die Übertragung von Hologrammen eine Bandbreite von 20 Megabit pro Sekunde. „Es ist machbar und kostengünstiger als das, was zum Streamen von hochauflösenden 4K-Filmen nötig ist.“ Um 3D-Bilder flüssig anzusehen, müssten 35 Bilder pro Sekunde übertragen werden – was mit „5G Standalone“ – also keine reine 5G- oder 4G-Technologie – leicht zu erreichen ist .

O2 und Bitkom sehen großes Potenzial

Doch hat die Holographie wirklich das Zeug zum Massenphänomen? Oder ist es nur etwas für erfahrene Technikbegeisterte? Erlebach ist von seinem Potenzial überzeugt. Unternehmen können sich dies zunächst zunutze machen, indem sie virtuelle Meetings organisieren, bei denen Hologramme ein Gefühl der Intimität vermitteln können.

Auch der Digitalverband Bitkom hob die Vorteile der Technologie hervor. „Mit dem holografischen Telefon wird die Kommunikation mit Menschen an abgelegenen Orten noch realer“, sagt Sebastian Klöß, Leiter Consumer Technology. Hologramme können den Eindruck erwecken, dass sich eine andere Person im selben Raum befindet, auch wenn diese sich woanders befindet. „Das erleichtert die standortübergreifende Zusammenarbeit im beruflichen Umfeld und den persönlichen Kontakt mit Freunden und Familie. Mimik und Gestik können besser kommuniziert werden.“ „Diese Technologie bietet die Möglichkeit, auch aus der Distanz emotionaler und authentischer zu kommunizieren“, sagt Klöß.

Um einen starken dreidimensionalen Effekt zu erzielen, benötigen Sie eine VR-Brille, daher ist zusätzliche Ausrüstung notwendig. es kostet. Zu diesen Anbietern gehören Microsoft, Meta und Apple. Meta Quest 3 kostet über 500 €. „Die Qualität der Brillen steigt von Modell zu Modell, während der Preis tendenziell sinkt“, sagte Erlebach.

Seiner Meinung nach sind Hologramme in Star Trek, Star Wars und anderen Science-Fiction-Filmen noch Zukunftsmusik. Bei solchen Arbeiten tauchen plötzlich Bilder von Menschen in der Mitte eines Raumes auf, sodass jeder auch ohne VR-Brille gut sichtbar ist. O2-Manager Erlebach sagt, man könne ein dreidimensionales Bild erzeugen, indem man Nebel oder Gaze (ein transparentes Material) von unten anzündet. „Aber es ist sehr teuer.“ Daher seien solche Werkzeuge nicht geeignet, die Holographie in die Telekommunikation einzuführen. „Das gilt für die Visuals einer Bühnenshow, nicht aber für persönliche Gespräche.“

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Quelle: www.stern.de

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