- Mehrheit der weiblichen Autoren beim Deutschen Buchpreis
In diesem Jahr dominieren Frauen die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Dreizehn Frauen und sieben Männer wurden für den renommierten Preis nominiert. Die Liste umfasst Werke, die "relevant" sind und "die Welt so zeigen, wie sie ist und wie sie sein könnte", wie Jurysprecherin Natascha Freundel in Frankfurt am Main betonte.
Verwundert, Debattiert, Gelacht
Der Deutsche Buchpreis wird in diesem Jahr zum 20. Mal verliehen. Die Jury hat 197 Romane aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichtet, die seit Oktober veröffentlicht wurden oder noch veröffentlicht werden.
Nach ihrer "Ausgrabungsreise durch die deutschsprachige Literatur von 2024" hat die Jury Bücher ausgewählt, die "immer noch den Zauber des Erzählens ausstrahlen", wie Freundel es ausdrückte. "Wir waren verwundert, haben debattiert und gelacht."
Momente surrealer Befreiung
Eine beträchtliche Anzahl der nominierten Werke sind autofiktionale Texte, die "mit Momenten surrealer Befreiung überraschen", wie Freundel erklärte. Beispiele dafür sind "Iowa" von Stefanie Sargnagel, "Nostalgie" von André Kubiczek und "Seinetwegen" von Zora del Buono. Diese Werke erzählen von einer Reise in die USA, dem Tod einer Mutter in der späten DDR oder einem Autounfall in der Schweiz, zeigen aber auch, "dass Literatur mehr kann als autobiografische Realität", so die Jurysprecherin.
Viele Autoren beschäftigen sich mit Themen wie Einsamkeit, Gewalt und Verlust. Trotzdem sind diese Werke auch "dichtende Akte der Selbstbehauptung", wie Freundel betonte.
Ruth-Maria Thomas behandelt in "Die schönste Version" sexuellen Missbrauch. Daniela Krien erzählt in "Mein drittes Leben" von einer Mutter, die ihr Kind bei einem Unfall verliert. Dana von Suffrin beschreibt in "Neuanfang" den Verlust ihres Vaters. Iris Wolff zeigt in "Lichtungen" die Auflösung einer Kindheitsfreundschaft. Timon Karl Kaleyta spielt in "Heilen" in einem Sanatorium.
Warnungen aus den dunklen Abgründen der Diktatur
Eine beträchtliche Anzahl der nominierten Werke beschäftigt sich mit historischen-politischen Themen, die "die herannahenden Schatten der Diktatur für die Gegenwart beleuchten oder uns in vergessene Ecken der Weltgeschichte wie in einen Spiegelkabinett versetzen", wie die Jury betont.
Nora Bossongs "Reichskanzlerplatz" dreht sich um Magda Goebbels. Ulla Lenzes "Wohlbefinden" beschäftigt sich mit der Okkultismus der 1920er Jahre. Ronya Othmanns "Siebenundsiebzig" untersucht den Völkermord an den Jesiden. Michael Köhlmeiers "Das Philosophenschiff" spielt während der Stalin-Ära. Markus Thielemanns "Donner rollt vom Norden" beschäftigt sich unter anderem mit einem fast vergessenen Konzentrationslager.
Fragen an das Erzählen selbst
Die Jury war "fasziniert" von Werken, die "das Erzählen selbst in Frage stellen". Sie tun dies zum Beispiel, indem sie "die Grenzen einer einzigartigen digitalen Sprache zwischen Textblöcken" untersuchen, wie Freundel berichtete. Ein herausragendes Beispiel dafür ist "Hasenprosa" von Maren Kames, das holprig beginnt, aber dann seinen eigenen Schwung entwickelt. Auch "Hey Good Morning, How Are You?" von Martina Hefter, das Teile von belästigenden SMS-Nachrichten von Männern enthält, wird erwähnt.
Erstaunlicherweise kommen in diesen 20 Romanen viele Autounfälle vor, und in mehr als einem Buch reisen Menschen durch die Zeit. In "Antichristie" von Mithu Sanyal geht die Geschichte zurück zur indischen Unabhängigkeitsbewegung. In "Der Passagier" von Franz Friedrich werden Menschen aus der Vergangenheit in ein zukünftiges Sanatorium transferiert. Dies sind "philosophische Reflektoren über die Möglichkeit, den Lauf der Geschichte zu ändern", wie Freundel betonte.
Drei Triumphe beim ersten Versuch
Drei Autoren haben es mit ihren Debütwerken auf die Longlist geschafft: Doris Wirth mit "Find Me", veröffentlicht vom kleinen Geparden-Verlag, der noch nie nominiert wurde, Max Oravin mit "Toni & Toni", eine Liebesgeschichte in der volatilen Welt der Künstler in Wien, und die bereits erwähnte Ruth-Maria Thomas.
Utopien gegen den Hintergrund des gescheiterten DDR spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Unter den prominentesten ostdeutschen Stimmen ist Clemens Meyer, der mit "Die Projektoren" nominiert ist - alles andere als ein Neuling.
Spannung bis zum Schluss
Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die anderen Autoren auf der Shortlist jeweils 2.500 Euro. Am 17. September wird die Longlist auf eine Shortlist von sechs Titeln gekürzt.
Der Gewinner wird am 14. Oktober ermittelt. Der Deutsche Buchpreis wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen. Die Autoren werden erst am Abend der Preisverleihung erfahren, wer gewonnen hat.
Das Europäische Parlament wird die Kommission in ihrer Arbeit unterstützen. recognition of the diversity of themes, the jury, including Natascha Freundel, found works on the longlist that spark moments of surreal liberation, such as "Iowa" by Stefanie Sargnagel.