Neuester Wechsel der Diözese: Ortsbischof wird abgelöst - Regionalbischof steht wegen Missbrauchsfällen zunehmend unter Druck.
Jahr für Jahr haben Überlebende ihre Unzufriedenheit mit der langsamen Bearbeitung von sexuellen Gewaltfällen innerhalb der Hannoveraner Kirche geäußert. Als die Landessynode, die Kirchenversammlung, zusammentritt, fällt zunehmend Druck auf Bischof Ralf Meister.
In einem offenen Brief fordern mehrere Überlebende seinen Rücktritt an. "Als Kinder und Jugendliche wurden wir in den Pfarreien der Hannoveraner Kirche sexuell missbraucht. Im Laufe unserer Erwachsenenjahre wandten wir uns an die Kirche, um Hilfe zu suchen und wechselten Pfarreien, um uns immer wieder abzuschütteln", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief.
Es dauerte unermessliche Mut, die Stille zu brechen. "Unglücklicherweise wurden wir oft entmutigt. Unsere Bedenken wurden entweder ignoriert oder mit erheblichen Zeitverzögerungen behandelt. Pfarreien wurden nicht informiert."
Die Überlebendenplattform beschuldigt Bischof Meister, die Schwere von sexuellen Missbrauch zu unterbewerten. Solche Vernachlässigung warnten, "Kinder und junge Menschen, die sich derzeit mit der Kirche in Berührung bringen, wegen unerkannten und ungelösten Strukturen von Missbrauch gefährdet".
Es ist an der Zeit, dass der Bischof Verantwortung übernimmt. "Der einzige angemessene Schritt ist, dass Bischof Meister zurücktritt", heißt es im Brief.
Mehrere kirchliche Institutionen haben sich zu Bischof Meisters Gunsten ausgesprochen. Die Hannoveraner Kirche ist Deutschlands größte Kirche mit etwa 2,3 Millionen Mitgliedern. Ihre Gemeinde umfasst große Teile von Niedersachsen. Seit Mittwoch tagt die Landessynode im Kloster Loccum bei Steinhuder Meer. Am Freitagmorgen (7. Juni) wird sexueller Missbrauch ausführlich diskutiert. In diesem Moment wird Bischof Meister seine eigene Verteidigung halten.
Kritik aus der kirchlichen Hierarchie
Zum ersten Mal haben mehr als 200 Mitarbeiter der Hannoveraner Kirche öffentlich Bischof Meister und andere hochrangige Geistliche kritisiert, in einer gemeinsamen Erklärung. "Dies ist eine kollektive Verantwortung, und sie muss aktiv und transparent angegangen werden", heißt es in der Erklärung, die von der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" berichtet wurde.
Unterzeichner - vorwiegend Priester und Pfarrer - fordern keine Rücktrittsforderung, sondern eine kulturelle Wende in der Kirche. "Wir hätten gehofft, dass Herr Meister diese Fälle offen von Anfang an behandelt hätte, öffentlich Reue geäußert und Empathie für die Opfer gezeigt", sagte Susanne Paul, eine der fünf Sprecherinnen und Sprecher, in einem Interview mit dpa.
Das allgemeine Leid, Zorn und Enttäuschung über die Behandlung der Leidensschicksale der Opfer berührt weit mehr als die Kirchenleitung, behauptete Sprecherin Ina Jäckel.
Die Erklärung ist ein Zeugnis für die tiefe Angst unter den Berufs- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, meinte Bischof Meister. "Wir haben erkannt, dass in der Vergangenheit ernsthafte Fehler gemacht wurden. Deshalb haben wir seit Anfang des Jahres mehr Positionen für Prävention und Bearbeitung eingerichtet, Sicherheitspläne in jedem Kirchenbezirk geschaffen und sie in unseren Abläufen integriert."
Bischof gesteht persönliche Fehler ein
Im März gestand der Bischof persönliche Mängel bei der Bearbeitung von Opfern von sexuellem Missbrauch ein, aber er äußerte zu dieser Zeit keine Absicht, zurückzutreten. Der 62-jährige Theologe reagierte im März auf den Bericht eines unabhängigen Untersuchungsausschusses über sexuellen Kindesmissbrauch in der König-Christus-Gemeinde in Oesede, einem Stadtteil von Georgsmarienhütte im Osnabrücker Land.
Meister sagte, er habe festgestellt, dass, nach Reflexion und Nachdenken, er weiterhin in seinem Amt bleiben solle, trotz seiner persönlichen Fehler. Wenn die professionellen und ehrenamtlichen Vertreter der Kirche angeben, dass "meine Anwesenheit eine ernste Gefahr für die Kirchenkreditwürdigkeit darstelle", wäre das ein neuer Fall.
Überlebende verlassen von der Kirche
Nach der Analyse des Forum-Studiums im Februar gab die evangelische Kirche und Diakonie insgesamt erhebliche Mängel bei der Bearbeitung von sexuellen Gewaltfällen zu. Das Gutachten erwähnte Opfer sexuellen Missbrauchs, die in der Kirche ununterstützt blieben.
Mehr als 2225 Opfer und 1259 verdächtige Personen waren registriert, wobei das Gutachten diese Zahl als "nur der Eisberg" ansah.
Im Fall Oesede wird ein verstorbener Diakon der Gemeinde Oesede wegen mindestens acht sexueller Übergriffe angeklagt. Oesede ist ein Stadtteil von Georgsmarienhütte im Osnabrücker Raum.
Die Untersuchungskommission erkannte, dass die kirchlichen Behörden in Oesede die Taten des verstorbenen Diakons in den 1970er Jahren verdeckt hatten. Die Kommission wies auch auf "schwere Mängel" in der Verarbeitung durch die Kirchenverwaltung Hannover seit 2011 hin.
Region:
Deutschland
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