Obwohl er als Engländer kein Deutsch sprach, machte er Deutsch zu seiner Spezialität. Die Musik von Roger Whittaker war nicht nur in Deutschland ein großer Erfolg.

Sänger Roger Whittaker gestorben

„Abschied ist ein schar­fes Schwert, das oft tief ins Herz schnei­det“, heißt es in einem der größ­ten Lie­der von Roger Whita­ker. „Manch­mal müs­sen auch die bes­ten Zei­ten ein Ende haben.“ Der bri­ti­sche Sin­ger-Song­wri­ter, der in Deutsch­land sei­ne treu­es­ten Fans hat, hat sich vor eini­gen Jah­ren aus der Öffent­lich­keit zurückgezogen. 

Er ist im Alter von 87 Jah­ren gestor­ben. Whit­takers Plat­ten­la­bel Sony Music gab die Nach­richt am Mon­tag den deut­schen Nach­rich­ten­agen­tu­ren bekannt. „Bild“ hat­te bereits dar­über berichtet. 

Die­ser Mann mit sanf­tem Bari­ton hat mehr als 25 Alben in Deutsch­land ver­öf­fent­licht. Sei­ne Spe­zia­li­tät: ein­gän­gi­ge Bal­la­den und Wohl­fühl-Hits. Zu Whita­kers erfolg­reichs­ten Fil­men zäh­len „Alba­ny“ (1981) und „The Last Good­bye“ (1971), wobei letz­te­rer nach mehr­jäh­ri­ger Ver­zö­ge­rung ein inter­na­tio­na­ler Hit wur­de. Vie­le ande­re Künst­ler nah­men spä­ter Whita­kers Lie­der auf, dar­un­ter auch Elvis Presley. 

Viele deutsche Lieder

Auf­grund sei­ner Popu­la­ri­tät in Deutsch­land nahm der Eng­län­der vie­le Lie­der auf Deutsch auf. Da er kein Deutsch sprach, ver­wen­de­te er die Laut­schrift. Aller­dings stör­te ihn der Umlaut. „Das schlimms­te deut­sche Wort ist Zärt­lich­keit“, scherz­te er 2012 in einem Inter­view mit „BamS“. „Rein pho­ne­tisch natür­lich.“ Der eng­li­sche Herr hin­ter dem deut­schen Schla­ger wur­de für sein Lebens­werk mit der „Pla­ti­num Tuning Fork“ und der „Folk Music Crown“ ausgezeichnet. 

Jeder, der in den 1970er und 1980er Jah­ren auf­ge­wach­sen ist, hat Rogers Musik gehört. WHITAKER – Eini­ge spra­chen von trä­nen­rei­chen Geschich­ten – viel­leicht eher unfrei­wil­li­gen von ihren Eltern oder Groß­el­tern. Er ist regel­mä­ßi­ger Gast in der belieb­ten Kreuz­fahrt und ande­ren Fern­seh­un­ter­hal­tungs­sen­dun­gen des deut­schen Fern­seh­sen­ders 2. Anfang der 1980er Jah­re kon­zen­trier­te er sei­nen Stil auf deut­sche Schla­ger. 1986 sang er: „Ich brau­che heu­te ein biss­chen Duft, ein biss­chen Palo­ma, ein biss­chen Kiki, Cher­ry!“ Rück­bli­ckend hat das Lied als Par­ty­hit so etwas wie Kult­sta­tus erlangt. 

Roger Whit­taker wur­de 1936 in Nai­ro­bi als Sohn bri­ti­scher Ein­wan­de­rer gebo­ren, als Kenia eine bri­ti­sche Kolo­nie war. Nach sei­nem Mili­tär­dienst brach er sein Medi­zin­stu­di­um ab und arbei­te­te als Leh­rer. Anschlie­ßend zog er nach Euro­pa, um in Wales zu stu­die­ren. Er sam­mel­te Geld, indem er als Sän­ger in Clubs und Bars arbei­te­te. Schließ­lich ent­schied sich der aus­ge­bil­de­te Zoo­lo­ge, Mee­res­bio­lo­ge und Bio­che­mi­ker für eine Musikkarriere. 

Roger Whita­ker brauch­te meh­re­re Jah­re, um sei­nen Stil zu fin­den. Die ers­te Sin­gle aus dem Jahr 1962, „The Char­ge Of The Light Bri­ga­de“, war ein wun­der­schö­ner Coun­try-Song. 1967 wur­de das voll­stän­dig gepfif­fe­ne Instru­men­tal­stück „Mexi­can Whist­le“ sein ers­ter Hit in Groß­bri­tan­ni­en. Der Durch­bruch gelang ihm zwei Jah­re spä­ter mit der Bal­la­de „Dur­ham Town“. Songs wie „The Last Fare­well“ oder „Indi­an Lady“ mach­ten Roger Whit­taker schnell auch in ande­ren Län­dern popu­lär. Sein berühm­tes­ter Fan war der ehe­ma­li­ge US-Prä­si­dent Geor­ge H.W. Bush, der ihn zu sei­ner Gol­de­nen Hoch­zeit ein­lud und ein Whita­ker-Lied vortrug. 

Wie der freundliche Herr von nebenan

Sieht aus wie ein Pop­star, den Whita­ker nie gese­hen hat. Mit sei­nem Hen­ri­quat­re-Bart, der Jacke, der Bril­le und den seit den 1980er-Jah­ren ergrau­ten Haa­ren sieht er aus wie der freund­li­che Herr von neben­an. Die­ses lie­bens­wer­te und authen­ti­sche Bild passt zu sei­ner Musik. Bär­te haben übri­gens auch prak­ti­sche Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten. „Zu Beginn mei­ner Kar­rie­re sah ich mich im Fern­se­hen und dach­te: Die­ses Gesicht wird nicht funk­tio­nie­ren“, sag­te Whit­taker 2014 dem Dai­ly Express. „Also habe ich mir mei­nen Col­lege-Bart wie­der wach­sen lassen.“ 

Whita­ker, der kürz­lich in Süd­frank­reich leb­te, wur­de sei­nem freund­li­chen, boden­stän­di­gen Image auch in sei­nem Pri­vat­le­ben gerecht. Der Fami­li­en­va­ter und Hun­de­lieb­ha­ber ist seit 1964 mit sei­ner Frau Nata­lie ver­hei­ra­tet, die spä­ter sei­ne Mana­ge­rin wur­de. Er hin­ter­lässt fünf Kin­der, meh­re­re Enkel und Urenkel. 

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Titelbild: Patrick Seeger/dpa

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